Anselme de Bavay
Abt und Reformator der Zisterzienserabtei Beaupré 1710–1737
* 1662/63 [err.] Châtelet
† 8. März 1737
Anselme de Bavay, Taufname François, stammte aus einer adligen Familie, die aus Mons nach Châtelet gekommen war (und sich später in Brüssel niederließ) und aus der eine Reihe von Stadträten, Bürgermeistern, Beamten, Notaren, Staatsanwälten und Ordensleuten hervorgegangen war. Er war zunächst Benediktiner in Waulsort, ging aber dann als Zisterzienser nach Orval, wo er 1694 unter Abt Karl von Bentzeradt die Profess ablegte. Bei der Koadjutorwahl 1703 war er dort Subprior[1], später Prior.
Auf Bitten des Herzogs Leopold von Lothringen, der die Observanz von Orval in der Abtei Beaupré-sur-Meurthe bei Lunéville in Lothringen eingeführt sehen wollte[2]), ernannte ihn Papst Clemens XI. mit Bulle vom 2. Januar 1709 zum Regularabt von Beaupré. Charles Claude de L’Aigle, Offizial und Generalvikar der Diözese Toul und Kommendatarabt der Prämonstratenserabtei Mureau, in seiner Eigenschaft als päpstlicher Kommissar übergab Bavay einen großen Teil der Abtei am 14. Juni 1710.[3] Am 29. Juni 1710 wurde er in der Abteikirche durch den Bischof von Toul, François Blouet de Camilly, benediziert.[4]
Begleitet und unterstützt von etwa einem Dutzend Zisterziensermönchen aus Orval (das unter Abt Karl von Bentzeradt einen enormen Zulauf an Neueintritten erlebt hatte) nahm Bavay die Abtei Beaupré in Besitz – manu militari, gegen den anhaltenden Widerstand des Konvents, der schließlich in andere Klöster versetzt wurde, u.a. nach Villers-Bettnach (Abt Noël Febvre).[5] Er führte die strenge Reform ein und verbesserte auch die wirtschaftlichen Bedingungen.
Die beiden Mauriner Edmond Martène und Ursin Durand, die Beaupré 1712 besuchten, beschrieben das Leben und die Mönche dort wie folgt: „Sie leben wie Engel […] und erfüllen das Land mit dem Duft ihrer Tugenden. Sie halten sich streng an die alten Zisterzienserbräuche: ewiges Schweigen, drei Stunden Arbeit täglich, die in der Regel vorgeschriebenen Fastenzeiten bis nach der Non, die sie um zwei Uhr beten, und das Fasten bis vier Uhr. Nur einmal in der Woche essen sie Fisch und einmal Eier; an den anderen Tagen ernähren sie sich nur von Gemüse, aber ihre Seelen sind gesättigt von den Freuden des Himmels.“ (Voyage Littéraire, 2. Teil, S. 133 f.)
Später näherte sich Abt Anselm (wie auch Orval) dem als Irrlehre verurteilten Jansenismus an. Da ihm die Verurteilungen der Lehren Quesnels in der Bulle Unigenitus Dei filius Papst Clemens XI. von 1713 zu weit gingen, wandte er sich brieflich an den Papst mit der Bitte um Erklärungen. Dieser Entschluss brachte ihn und seine Gemeinschaft ins Lager der Jansenisten. Erst nach langem Widerstand und großem Druck durch den Bischof von Toul unterwarf Bavay sich schließlich am 3. Dezember 1727 und durfte aus der Kartause Bosserville, wo er unter Arrest gestanden hatte, nach Beaupré zurückkehren, ebenso die an andere Orte verbannten Mönche.
Der Bischof von Toul ließ am 17. Dezember im großen Saal der Abtei Saint-Rémy in Lunéville im Beisein Bavays die vollständige Unterwerfung des Klosters verkünden. Noch am selben Tag berief Dom Anselm seine Klostergemeinschaft ein, unterrichtete sie über den bischöflichen Akt, ließ die apostolischen Konstitutionen verlesen und nahm von allen Novizen und Postulanten das feierliche Versprechen entgegen, ihrem Wort und ihren Verpflichtungen treu zu bleiben. Damit war die Angelegenheit abgeschlossen.
Bavay starb zehn Jahre später, am 8. März 1737[6], im 75. Lebensjahr. Er wurde in der Klosterkirche begraben. Die Grabinschrift wurde von Claude Guyton, Mönch der Abtei Clairvaux, in seinem Bericht über die Klöster Lothringens aus dem Jahr 1746 überliefert.[7] Sein Nachfolger wurde Dom Jérôme Marchand (Koadjutor 1736) Nach dessen Tod 1750 fiel die Abtei wieder in Kommende (nämlich an den Fürsten Ludwig zu Salm-Salm).
Anselme de Bavays Neffe Robert de Bavay wurde 1765 Abt in Villers-la-Ville. Zu selben Familie gehörte auch Humbeline de Bavay, Äbtissin von Soleilmont.
gge, Dez. 2025
- ↑ Er erhielt insgesamt 22 Stimmen. Zum Abt ernannt wurde jedoch Étienne Henrion.
- ↑ Der Bruder des Herzogs, Franz, Fürstabt von Stablo-Malmedy, war dort Kommendatarabt, resignierte aber 1709 zugunsten Bavays.
- ↑ Es waren einige juristische Hindernisse zu überwinden, da Bavay kein Lothringer war. Ferner protestierte der kleine Konvent von Beaupré gegen die Übernahme seines Klosters durch die fremden Zisterzienser.
- ↑ Bemerkenswert ist, dass bei der Zeremonie nur Augustiner-Chorherren anwesend waren, nämlich die Äbte François Huguin von St Remy in Lunéville, Joseph Sulpice Pastoret von Autrey und Stephan Joseph de Rosiferes von St Pierremont (Petersberg); Zisterzieneräbte waren keine zugegen.
- ↑ Villers gehörte zur Filiation von Morimond, Orval zu der von Clairvaux, weshalb Primarabt Nikolas Aubertot von Morimond der Sache nicht wohlgesonnen war. Für den Unterhalt der Mönche sollte die Abtei Beaupré aufkommen, was aber noch Jahre zur endgültigen Regelnung brauchte.
- ↑ Angabe nach der Grabinschrift. Die Gallia Christiana nennt abweichend den 3. März.
- ↑ Barthélémy, Edouard de: Visite de Dom Guyton dans les abbayes de Lorraine en 1746, in: Bulletin de la Société d'Archéologie Lorraine, 1887, S. 197–219
Daten:
Prof.: 1694; Abbas: nom. 2. Jan. 1709.Literatur:
Kaiser, Johann B.: Die Einführung der Orvalianer-Observanz in Beaupré, in Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 35 (1914), S. 114ff. · Gallia Christiana XIII, Sp. 1371f. [1] · Tillière, Nicolas: Histoire de l’abbaye d’Orval. V. Delvaux, 1897 · Demoulin, Louis: Le jansénisme et l’abbaye d’Orval. Institut historique belge de Rome, 1976 · Martin, Eugène: Histoire des diocèses de Toul, de Nancy & de Saint-Dié. Nancy, 1900–1903, S. 474ff.Vorlage:Page.name: BAVAY, Anselme de OCist – Biographia Cisterciensis
