Petrus Daïdé OCist
Novizenmeister der Zisterzienserabtei Bornem; Schulbeamter in Ecuador; Privatsekretär des Präsidenten Garcia Moreno
* 28 Juni 1835 Revel, Haute-Garonne, Frankreich
† 5. Nov. 1896 Bornem, Belgien
Petrus Daïdé, Taufname Antoine, wurde am 28. Juni 1835 in Revel in Südfrankreich als Sohn bürgerlicher Eltern geboren. Er besuchte die Staatsakademien in Bordeaux und Toulouse und wurde Lehrer an der letzteren. Als der ecuadorianische Staatspräsident Gabriel Garcia Moreno 1863 auf einer Rundreise durch Frankreich Lehrkräfte suchte, die ihn bei der Modernisierung des Bildungssystems in Ecuador unterstützen sollten, meldete sich Daïdé und begleitete den Präsidenten per Schiff nach Südamerika.
Dort als Generalinspektor des Unterrichts für Ecuador und Neugranada angestellt, gab er auf Kosten der Regierung eine spanische Grammatik und ein Kompendium heraus, die für den Unterricht an den Landesschulen vorgeschrieben wurden. Außerdem reiste er (auf oft nicht vorhandenen Wegen) durch das Land, um die Schulen zu besuchen, und diente bei seinen Aufenthalten in der Hauptstadt Quito dem Präsidenten als Privatsekretär. Nach der Ermordung Präsident Garcia Morenos am 6. August 1875 blieb er noch ein Jahr in Quito, wo er sich im Auftrag der Witwe um den minderjährigen Sohn des Präsidenten kümmerte, bis er sich 1877 vor den Nachstellungen der radikalen Partei zunächst nach England, dann nach Brüssel rettete.
1878 kam er mit einem Empfehlungsschreiben des apostolischen Nuntius in Brüssel (und späteren Kardinals) Serafino Vannutelli, den er bereits als apostolischen Delegaten in Ecuador kennengelernt hatte, in die Zisterzienserabtei Bornem, wo man wegen seiner Unkenntnis der Landessprache, seines vorgerückten Alters und seiner von den Strapazen der letzten Zeit sichtbar heruntergekommenen Körperkräfte zunächst Bedenken hatte, ihn als Chornovizen aufzunehmen. Doch die Erwägung seines verdienstvollen Lebens und sein Eifer für Chor und Disziplin ließen alle Bedenken schwinden. Lange dauerte es nicht, bis Interessierte seinen Aufenthalt in Bornem ausfindig gemacht hatten; bald kamen Forscher aller Art, um ihn über den ermordeten Präsidenten zu befragen. Er gab die gewünschten Erklärungen und Aufschlüsse, jedoch immer unter der Prämisse, dass sein Name und seine Person zu seinen Lebzeiten ungenannt blieben. Ende 1883 begleitete er als dessen zweiter Sekretär (der erste war der spätere Generalabt Amadeus de Bie) den Generalprokurator Henricus Smeulders bei dessen dorniger Mission nach Kanada. Nach der Rückkehr 1884 zum Priester geweiht, wurde er 1885 auf Empfehlung des Generalprokurators Smeulders von Abt Robertus van Ommeren zum Novizenmeister bestellt.
Im Sommer 1896 leitete er die achttägigen Konventexerzitien in Colen und erbat im Nachsommer für sich dreitägige Exerzitien bei den Jesuiten, um sich auf den Tod vorzubereiten. Er schien sich des nahen Endes bewusst gewesen zu sein, sprach auch in den letzten acht Tagen seines Lebens mit dem Abt und mehreren Mitbrüdern über seinen Wunsch, in der Seelenoktav zu sterben. Sein Wunsch wurde erfüllt. Am Vorabend seines Todes munterer als gewöhnlich, las er den Novizen die Punkte der Betrachtung über den Tod vor. Am nächsten Morgen mit seinen Novizen noch pünktlich beim Chorgebet, fand man ihn später (vermutlich nach einem Herzinfarkt) im Kreuzgang. Er starb noch am selben Tag.
gge, Jan. 2026
Daten:
Prof.: 22. Juli 1878, 6. April 1883; Sac.: 7. Juni 1884.Literatur:
Nachruf in der Cistercienser Chronik 1896, S. 371–372 · Van Doninck, Benedictus: Obituarium Monasterii Loci Sancti Bernardi, S. ord. Cisterc., 1237–1900. Bornhem: Typis Lyrinensibus, 1901, S. 146.Vorlage:Page.name: DAIDE, Petrus OCist (1835–1896) – Biographia Cisterciensis
