Hocquart, Malachie

Malachie Hocquart

Malachie Hocquart

43. Abt des Zisterzienserklosters Cambron 1771–1781

* 1715 Mons, Belgien
07. Okt. 1781 Cambron-Casteau, Belgien

Malachie Hocquart, um 1715 in Mons geboren[1] Ath., war seit 1758 Beichtvater in der Abtei Ghislenghien (Val-des-Vierges)[2], als er am 15. Juli 1771 unter dem Vorsitz des Regierungskommissars von Kulberg und des Abtes Robert de Bavay von Villers als Generalvikar des Ordens zum Abt von Cambron gewählt wurde.[3] Seine Wahl wurde am 16. Januar 1772 vom Wiener Hof ratifiziert.

Da die Abtei 1772 hochverschuldet war, erhielt Hocquart am 9. April 1772 vom Generalgouvernement der habsburgischen Niederlande die Auflage, die Rechnungsbücher der Abtei einem staatlichen Kommissar zur Prüfung vorzulegen („pour faire cesser les abus… et pour mettre ordre aux dépenses excessives“). Da aber seine Wirtschaftsführung erfolgreich und ohne Mängel war, wurde die Anordnung nach drei Jahren wieder aufgehoben. Über die Rechnungslegung hinaus wurde auch die Anfertigung eines Liegenschaftskatasters der Abteigüter und die Schaffung eines separaten Refektoriums für Besucher und Verwandte angeordnet.

Die verbesserte Wirtschaftslage erlaubte es dem Abt, dringende Restaurationen durchzuführen und mehrere Kirchen und Höfe restaurieren oder neu bauen zu lassen (Thoricourt, Bauffe, Lombise), 1779 auch den Hof in Lombisœul. Er baute die Bäckerei wieder auf, die Brauerei, restaurierte Mühle und Sägewerk sowie die Stützwände am Ufer der Blanche, an dem er Schleusen und Rückhaltebecken errichten ließ. Er dachte auch daran, weitere Bauarbeiten an den Konventgebäuden zu unternehmen, musste aber nach einem Blitzeinschlag 1774 die Kirche neu eindachen und den Glockenturm wiederherstellen lassen. 1776 ließ er die große steinerne Freitreppe über die Blanche bauen, die Kaiser Josef II. mit den Worten kommentiert haben soll: „Diese Treppe ist eine der schönsten Europas, aber sie führt nicht ins Paradies!“ (Cet escalier est l’un des plus beaux d’Europe mais il ne mène pas au paradis!).

Mit der Eintracht der Mönche hatte Abt Hocquart größere Probleme. Einige Mönche beschuldigten ihn, zu eigenmächtig zu handeln. Eine weitere Anschuldigung war, der Abt habe seiner Schwester Marie-Marguerite Hocquart eine Rente auf Kosten der Abtei verschafft. Nachdem die Oppositionsfraktion den Abt bei der Regierung denunziert hatte, ließ diese 1780 durch den Geheimrat Kulberg eine Untersuchung durchführen, die den Prälaten entlastete und die Vorwürfe als Verleumdung zurückwies. Die Beschwerdeführer unter der Führung des abgesetzten Bursars Prosper Le Blus mussten sich unter Androhung schwerer Strafen unterwerfen. Zur weiteren Entspannung der Lage und zur Hebung der Bildung unter den Mönchen schlug die Regierung dem Abt außerdem vor, zwei junge Religiosen zum Studium nach Löwen zu schicken.

Der von den Querelen gesundheitlich angeschlagene Abt Hocquart starb am 7. Oktober 1781. Zu seinem Nachfolger wurde Florent Pépin gewählt.

gge, Sep. 2017

  1. Monnier bezeichnet ihn als „Montois“, die Einführung zum Cartulaire de Cambron sagt, er wäre „wahrscheinlich 1715 in Ath“ geboren.
  2. Archives de l'Etat à Tournai, Daniel van Overstraeten: Inventaire des archives de l'abbaye de Ghislenghien. Archives générales du Royaume, 1976
  3. Monnier sagt, er wäre zu diesem Zeitpunkt 56 Jahre alt und im 31. Professjahr gewesen.

Daten:

Abbas: el. 15. Juli 1771.

Literatur:

Monnier, Clément: Histoire de l'abbaye de Cambron, in: Annales du Cercle archéologique de Mons XIV (1876), S. 191–202 und XVII (1884), S. 1–575 · Smet, Joseph-Jean de: cartulaire de l'abbaye de Cambron, dans: Monuments pour servir a l'histoire des provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, tome deux, première parte. Bruxelles: M. Hayez, 1869, S. XIV.

Zitierempfehlung: Hocquart, Malachie, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 27.09.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hocquart,_Malachie

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