Michaelis, Andreas

Andreas Michaelis

Andreas Michaelis

40. Abt der Zisterzienserabtei Grüssau 1653–1660

† 22. Juli 1660 Grüssau

Andreas Michaelis stammte nach dem Grüssauer Nekrolog gebürtig aus Duderstadt im Eichsfeld (heute Niedersachsen) und legte 1627 als „frater Andreas Hilarius Clericus“ in der Zisterzienserabtei Grüssau die Profess ab. Er war einer von mehreren Eichsfelder Konventualen, die unter Abt Adam Wolfgang (reg. 1622–1632) in das schlesische Kloster eingetreten waren. Seine Schwester Anna Elisabeth war Zisterzienserin in Teistungenburg im Eichsfeld.

Über seine Studien vor dem Eintritt (ob in Prag?) und nach der Profess sowie über den Empfang der höheren Weihen sind keine Nachrichten überliefert. Die Wählerliste zur Wahl des Abtes Valentin Rüling 1632 nennt ihn an 20. Stelle. Etwa 1634/35 wurde er Propst in Warmbrunn. Daneben war er auch als Vizelandeshauptmann der Herzögtümer Schweidnitz-Jauer tätig und seit 1636 Administrator der konfiszierten Schaffgottschen Güter. Das ihm 1639 angetragene „Kommissariat für die Gegenreformation“ musste er wegen seiner viele Verpflichtungen ablehnen. 1648 wurde er von den Schweden in Hirschberg (Jelenia Góra) inhaftiert.

Seit Mai 1648 persönlicher Koadjutor des erkrankten Abtes Valentin Rüling und daher erfahren in der Leitung des Klosters, wurde er nach Rülings Tod († 20. Okt. 1653) am 26. Oktober 1653 selbst zum Abt gewählt. Die Benediktion erhielt er am 17. Juli 1654 im Stift Zwettl durch den dort zur Visitation weilenden Generalabt Claude Vaussin.

Die wichtigste Aufgabe des neuen Abtes war die Sanierung der Stiftsfinanzen, was ihm innerhalb weniger Jahre auch gelang. 1658 konnte er den Ort Eckersdorf (Bożanów ) kaufen und 1659 dem Stift Heinrichau eine Schuld von 1420 Reichstalern erlassen. Gute Beziehungen hatte Abt Andreas zum Landeshauptmann Otto von Nostitz, den er seit seiner Zeit in Warmbrunn kannte und öfter auf Schloss Lobris besuchte.

Daneben kümmerte sich Abt Andreas auch um das geistliche Leben und die Ordensdisziplin im Kloster. Im Kopialbuch steht über ihn der bezeichnende Satz: Er verwendete viel Zeit für das geistliche Leben (Ipse quoque in spiritualibus plurimum temporis insumpsit). Bei der Visitation durch Abt Kaspar Liebichen von Heinrichau und dessen Prior Bernhard Rosa um Juli 1655 lautete das Urteil über Abt und Konvent: In bester Ordensdisziplin (in optima ordinis disciplina). Der aus 20 Professmönchen bestehende Konvent verdoppelte sich bis 1659 auf eine Gesamtzahl von 40 Mitgliedern. Siebzehn Mönche legten unter Abt Andreas die Profess ab, darunter vier aus seiner Heimat, dem Eichsfeld.

Am 11. April 1660 wurde in der Grüssauer Abteikirche dem 1657 zum Abt von Heinrichau gewählten Melchior Welzel die Benediktion erteilt. Bald darauf muss Abt Andreas erkrankt sein. Er starb am 22. Juli desselben Jahres und wurde am 24. Juli in der Gruft bestattet. Sein Nachfolger wurde der Heinrichauer Prior Bernhard Rosa, unter dessen Leitung in Grüssau das ’Goldene Zeitalter’ begann.

gge, März 2026


Daten:

Prof.: 1627; Abbas: el. 26. Okt. 1653, ben. 17. Juli 1654

Literatur:

Rose, Ambrosius: Kloster Grüssau. Stuttgart: Konrad Theiss, 1974, S. 81ff. · Ders.: Profeßbuch von Grüssau – Leben und Wirken der Zisterzienser 1292–1810. Köln: Wienand, 1990.

Zitierempfehlung: Michaelis, Andreas, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.03.2026, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Michaelis,_Andreas

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