Saouma, Paul

Paul Saouma
Foto: Abtei Latrun

Paul Saouma OCSO

4. Abt der Zisterzienserabtei Latrun 1985–2008

* 29. Juni 1933 Michmich, Libanon
09. Nov. 2021

Paul (Bulos) Saouma wurde am 29. Juni 1933 als sechstes von sieben Kindern in dem maronitischen libanesischen Dorf Michmich (Bezirk Jbeil) 60 km nordöstlich der Hauptstadt Beirut geboren und am 16. Juli d.J. getauft.

Im Oktober 1945 kam er als Juvenist in die Zisterzienserabtei strengerer Observanz Latrun und empfing am 3. März 1946 von Abt Paul Couvreur das Sakrament der Firmung. Am 1. November erhielt er das Ordenskleid eines Zisterzienseroblaten und nahm den Namen Bruder Paul an. Am 20. August 1952 erhielt er als letzter Novize unter Abt Couvreur das Ordenskleid und legte nach dem zweijährigen Noviziat am 8. September 1954 die zeitliche Profess ab. Nach Ablegung der feierlichen Gelübde 1957 studierte er Theologie in der Abtei Sept-Fons in Frankreich. Am 4. Mai 1961 wurde er in der Abteikirche von Chambarand von Bischof Fougerat von Grenoble zum Priester geweiht.

Nach Latrun zurückgekehrt, war er eine Zeit lang Assistent des Novizenmeisters und arbeitete als Buchbinder. 1964 zum Cellerar und Leiter des abteieigenen Weinbaubetriebs ernannt, sorgte er für eine Modernisierung des Weinbaubetriebs. 1976 wurde er Mitglied des Abtrats und 1978, nach dem Amtsantritt des Abtes Yves de Broucker, 1978 wieder Cellerar. Er war von 1964 bis 1971 und von 1978 bis 1982 Cellerar und lernte nach 1967, als Latrun infolge des Sechstagekrieges zu Israel gekommen war, Hebräisch, was sich als großer Vorteil bei der Erfüllung seiner Aufgaben erwies. Dank seiner praktischen Erfahrung befand sich das Kloster nie in einer finanziellen Krise und war nie auf die Unterstützung von Gönnern angewiesen.

Vom 15. April 1982 (Ernennung durch Abt Patrick Olive von Sept-Fons) bis 1985 war er Superior ad nutum und von 1985 bis 2008 Abt der Gemeinschaft. Gewählt wurde er am 13. Januar 1985 unter dem Vorsitz von Abt Patrick Olive, benediziert am 11. April von Patriarch Giacomo Beltritti. Anwesend bei der Benediktionsfeier war neben Abt Patrick Olive auch Abt Pierre-Marie Fayolle von Notre-Dame-des-Neiges.

Paul Saouma war Abt während beider Phasen der Intifada. Es gelang ihm, das Kloster zum Tagungsort mehrerer internationaler Klostertreffen zu machen: Regionaltreffen der Äbte aus Südfrankreich (1986), der afrikanischen Oberen (1995) und ein Treffen der Zentralkommission des Ordens (1998). Er verfolgte, unterstützte und vollendete das Projekt einer Zisterzienserniederlassung im Libanon (Saint-Sauveur, 1998–2006) und scheute dabei keine Kosten und Mühen. Sein Anliegen für den Frieden in der Region veranlasste ihn, einen Garten der Brüderlichkeit zu errichten, einen Ort der Begegnung für Christen, Juden und Muslime. Benannt wurde er nach drei Persönlichkeiten des Mittelalters, drei Repräsentanten ihrer jeweiligen Religionen: Bernhard von Clairvaux (1090–1153), Raschi von Troyes (Schlomo Jizchaki, 1040–1105) und Saladin (1137–1193). Die Einweihung des Denkmals am 26. Dezember 2006 bot Anlass für ein großes Treffen von Vertretern der drei Religionsgemeinschaften.

Trotz all seiner Aktivitäten blieb Dom Paul ein Mann des Gebets und kam gewohnheitsmäßig eine Viertelstunde vor dem Gottesdienst in die Kirche. Seine Unterweisungen an die Klostergemeinschaft waren einfach und meist kurz. Er besaß wenig rhetorisches Talent. Seine Predigten zeugten von seiner tiefen Frömmigkeit, wurden aber in einem fast monotonen Ton gehalten. In den letzten zehn Jahren ließ er sie am Computer tippen, sodass eine beträchtliche Anzahl seiner Predigten erhalten ist. Er führte genauestens Buch über die Anzahl der Messen, die er seit seiner Priesterweihe gefeiert hatte; in seinen letzten Lebensjahren konnte er dies jedoch nicht mehr präzise angeben. Am 25. Mai 2021 zelebrierte er seine 22.328. Messe. Danach verschwammen die Zahlen.

Im März 2008 trat er aus Altergründen zurück (Nachfolger: René Hascoët). Er starb am 9. November 2021.

gge, Okt. 2025


Daten:

Vest.: 20. Aug. 1952; Prof.: 8. Sep. 1952, 8. Sep. 1957, Sac.: 4. Mai 1961; Abbas: el. 13. Jan. 1985, ben. 11. April 1985, res. 30. März 2008.

Q.:

Bulletin OCSO· Tavardon, Paul: Trappistes en terre sainte: Des moines au cœur de la géopolitique. Latroun, 1890–1946 (Tome 1). Domuni-Press, 2016, o. S. · Wehbé, Louis: Père Paul Saouma O.C.S.O. 1933–2021, Supplément à la Chronique de Latroun, n. 226, décembre 2021.

Zitierempfehlung: Saouma, Paul, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 30.10.2025, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Saouma,_Paul

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